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Reflexionen » Nr. 3

Von Julia Dathe. Im Februar 2011

überlegung I

Gott sei Dank ist alles schon geschrieben, Gott sei Dank.

überlegung II

O., ich lehne mich an Deine Schulter am Winterhimmel und grüße Dich von Herzen,

ich frage mich, wenn ich Zug fahre und auf einer Strecke stehenbleibe und vorwärts und rückwärts schaue und um mich herum alles blüht und ich vergesse, woher ich komme und wohin ich fahre, weil um mich herum alles so wunderbar blüht, wo bin ich dann, wenn doch alles da ist?
Dann bin ich da. Es ist keine Frage der Richtung, ob die Linie vorwärts oder rückwärts geführt wird. Ich bin im Punkt dieser Linie, buchstäblich auf dem Weg. Dann ist es keine Frage der Übersetzung von ‘graphein’, auf dieser Strecke gilt in jedem Punkt schreiben und zeichnen. Dort blüht alles.

Deine D.

überlegung III

O., ich lehne mich an Deine Schulter am Winterhimmel, grüße Dich von Herzen

und warte auf mein Bier. Ich streiche unsichtbare Krümel vom Tisch und taste kleine Kerben im Holz. Messertanzschnitte. Ich füge meine Hand dazwischen. Hörst Du auch das Messer?
Tock-Tock-Tock-Tock-Tock-Tock.
Tock-Tock-Tock-ToTock-Tock.
Links neben meinem Zeigefinger ist nun ein Blutfleck. Der Wirt wirft einen Bierdeckel vor mir auf den Tisch und meine Hand zuckt weg.
Mein Zeigefinger ist angeschwollen und schmerzt, er lässt sich nicht bewegen. Erst als ich ein Pflaster darauf klebe, lässt der Schmerz nach.

Deine D.

überlegung IV

O., ich lehne mich an Deine Schulter am Winterhimmel und grüße Dich von Herzen,

ein Liebhaber sagte einmal: „Mach doch mal die Augen auf, dann können wir uns angucken beim Küssen.“. Ich tat ihm diesen Gefallen, seine Pupillen waren weit und schwarz.
Ich wollte ihn beißen, vielleicht würde es auch gar nicht auffallen, dass ich biss, anstatt ihn zu küssen. Ich nähte dann seine Lippe und mein Kuss würde eine Narbe.

Beim Frühstück am nächsten Morgen zog er ohne viel Federlesens zwei ordentliche Flächen in die Margarine. Die Rillen des Wellenschliffs waren gerade und gleichmäßig tief. Ich bemüte mich diese Akkuratesse zu halten und aß nichts außer einem Ei. So war das.

Deine D.

überlegung V

O., ich lehne mich an Deine Schulter am Winterhimmel und grüße Dich von Herzen,

wikipedia sagte Anfang Mai 2009 zum Thema Bogenschießen folgendes:

„Die Grundlage des intuitiven Schießens basiert auf einer Hand-Augen-Koordination – einfach ausgedrückt: Die Augen sehen und das Gehirn steuert unbewusst die Hand in die korrekte Position, um das Ziel zu treffen. Diese Hand-Augen-Koordination findet in vielen Tätigkeiten des täglichen Lebens Anwendung, ohne dass man sich dessen bewusst ist. Das Einschlagen eines Nagels mit einem Hammer beruht auf demselben Prinzip. [...]
„In manchen Bereichen bringt das intuitive Bogenschießen auch wesentliche Vorteile, so lässt sich viel schneller zielen und abschießen, was gerade das Treffen von beweglichen Zielen verbessert. Auch das Schießen auf Ziele aus unbekannter Entfernung, wie es häufig bei jagdlichen Disziplinen vorkommt, kommt dem Instinktivschützen zugute.“

Copy, Paste – Spannung, Schuss.

Deine D.

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