Programm: Michael Fehr (mit Rico Baumann), super light

Michael Fehr (mit Rico Baumann): super light
forma Leipzig Jubiläumsfestival 2021 auf YouTube – Premiere: 9. Mai 2021, 15 Uhr
https://youtu.be/_Bhu6vH-evM 


PROGRAMM:

Michael Fehr predator
Michael Fehr green tea corned beef
Michael Fehr roses bloom
Michael Fehr superliecht

Michael Fehr, performative Lesung, Gesang, Schlagzeug
Rico Baumann, Klavier, Schlagzeug 


Wenig zu tun mit dem klassischen Format einer Lesung hat der diesjährige Beitrag des Autoren Michael Fehr. Als zweite Stimme des forma 10+1 Jubiläumsfestival, vortragend wie schreibend, erklingt der musikalische Beitrag des Zürcher Schriftstellers, dessen eindrucksvolle, sprachkräftige Lesart bereits bei seiner ersten Lesung beim forma Festival vor drei Jahren zum Ausdruck kam. Die Texte seines Gedichtbandes ‚super light‘ werden hier zusammen mit dem Musiker Rico Baumann aufgeführt und unter der Regie des Schweizer Fotografen Franco Tettamanti filmisch inszeniert. 

Sicherlich der einzige Beitrag mit geraden Rhythmen beim diesjährigen Leipziger Neue Musik Festival. Durchaus tanzbar, wäre Tanzen nicht gerade infektionstreibend. Die ästhetisch inszenierten Schwarz-Weiß-Videos zeigen den Autoren singend, sprechend, mal am Schlagzeug, mal mit Bodypercussion, während er stimmgewaltig, rauchig, soulig seine Texte ins Mikrofon graunt. Textverständnis steht dabei eher nicht im Vordergrund. Stattdessen werden durch die wechselnden Patterns des Schlagzeugs und die jazzigen Pianolines seine Gedichte zu stampfenden Songs, Lyrik zu Liedtext, dadurch unterstrichen, wiederholt, greifbar. Die (Ur-)Texte wirken dabei so ‚random‘ wie ein durchgehender Beat bei einem Festival für Neue Musik. Umso passender hier beides zu kombinieren. Erst die gebratene Katze. Sorry, i’m a predator! Hätte der Film ‚Oh Boy‘ eine musikalische Entsprechung, wäre es mit dem Song ‚green tea, corned beef‘ getan. Nur dass das nie eingelöste Bedürfnis des Protagonisten nach einer Tasse Kaffee hier mit dem anstelle von grünem Tee erhaltenen Corned Beef ersetzt wurde. Philosophisch intimer wird es in ‚roses bloom‘ in dem erstmalig das Klavier dazu stößt. Der „Titelsong“ des „Albums“ ‚superlicht‘, ist eine feelgood-Hymne auf ein Mehr an Liebe, hier endlich im Original: auf Schwiizerdütsch. 

(Song)Texte 

  1. predator

a cat has strayed into the apartment of a man he’s got  

butter and a frying pan which is big enough he knows  

nothing of slaughter he starts working on the cat with  

a knife that’s been in the drawer for ages  

 

i’m sorry i’m a predator”  

 

the blood splattered on the floor is black of course but 

ter can sizzle the man can wait he drinks wine with it  

which is black of course he can feel the transformation  

the cat becoming flesh  

 

i’m sorry i’m a predator i was born in the west salt and  

pepper are my spices”  

 

 

  1. green tee corned beef

 

i sit in my house on the second floor at the top of the  

stairs on a wooden chair  

 

i am scared i ask for green tea  

 

unfortunately there are three women in my house who  

bring me corned beef  

 

i fall off the wooden chair down the wooden steps unfor 

tunately my head hits the stone floor  

 

 

  1. roses bloom

 

blue silence descends on you all even though it is bright  

even though it is nice even though roses bloom pink  

raspberry ruby blue silence descends on you all  

 

i no longer live there the house falls apart and a yellow  

god sits in its place posturing and munificence she has  

ten hands but she too is silent i no longer live there  

 

the body is a figure in the game between wind and grav 

ity and when it fades only strength remains but without  

fuss and without weight  

 

silence and strength are not contradictory  

 

and when i stay you have no idea who i am and when i  

go you won’t remember even though roses bloom  

 

 

  1. superliecht

 

ich habe ein herz wie ein spatz ich habe flügel ich bin  

immer oben mir geht es immer gut ich bin superleicht  

ich spüre mich nicht mehr  

 

ich brauche viel liebe viel mehr noch viel mehr noch  

mehr liebe  

 

mir geht es immer gut ich brauche viel   


Michael Fehr, geboren 1982, stammt aus Gümligen bei Bern und studierte am Schweizerischen Literaturinstitut und an der Hochschule der Künste Bern. Unter seinen Buchpublikationen sind zu nennen: Kurz vor der Erlösung bei edition spoken script (2013), und Simeliberg bei Der gesunde Menschenversand (2015). 2014 gewann er mit einem Text von „krasser Modernität“ (Burkhard Spinnen) den zweiten Platz beim Ingeborg Bachmann- Wettbewerb in Klagenfurt. Michael Fehr stammt ursprünglich aus der Spoken Word-Szene und beeindruckt nicht zuletzt durch seine Vortragsweise.  

Rico Baumann studierte bis 2007 an der Jazzabteilung der Hochschule der Künste Bern. 2006 erhält er ein Stipendium der Friedl Wald Stiftung, 2013 den Förderpreis der Marianne und Curt Dienemann-Stiftung. 2012 wird er ausgewählt, die Schweiz im European Jazz Orchestra zu vertreten, und erhält 2015 das New-York-Stipendium der Stadt Bern. Seine musikalischen Aktivitäten könnten kaum vielfältiger sein. Als Schlagzeuger ist er zurzeit mit den Bands Le Rex, Weird Beard, King Pepe and the Queens und Michael Fehr unterwegs. Als Produzent hat er an Alben von James Gruntz und King Pepe mitgearbeitet sowie Remixes für Künstler wie Baze und Jeans for Jesus gemacht. Seit 2014 sorgt er mit seiner Elektro-Pop-Band True international für Aufsehen. Tourneen mit diesen Bands führen ihn durch ganz Europa, nach Amerika und Japan.