Programm: Erik Drescher/Michael Maierhof: Splitting and cuts

Rezital Flöte Drescher/Maierhof „Splitting and cuts“
Forma Leipzig Jubiläumsfestival 2021 auf YouTube – Premiere: 9. Mai 2021, 16 Uhr
https://youtu.be/0G7QnzLlpzQ


PROGRAMM:

Michael Maierhof  splitting 29.1 (2007/09) für Flöte mit verstärktem mitschwingendem System und Zuspielung
Michael Maierhof  splitting 39 (2011) für Glissandoflöte, mikrokopierte Mundstückverlängerung und Zuspielung
Michael Maierhof  
splitting 34.2 (2018) für Video (aus „Snow White“)
Michael Maierhof  
splitting 17 (2002/2003) für Flöte (auch Piccolo) und Zuspielung
Michael Maierhof  
splitting 34.4 (2019) für Video (aus „Sodom and Gomorrah“), Uraufführung
Michael Maierhof  
splitting 51.1 (2018) für mikrophonierte Glissandoflöte und Zuspielung, Uraufführung 

 Erik Drescher, Flöten
Michael Maierhof, Elektronik, Videos



Der Beitrag des Hamburger Komponisten Michael Maierhof zum diesjährigen forma 10+1 Jubiläumsfestival besteht aus vier Kompositionen für Flöte (und Zuspielung) aus seiner Werkreihe splitting für Soloinstrumente, ergänzt durch drei stumme Videokollagen des Komponisten. Alle Stücke wurden für den Flötisten Erik Drescher geschrieben, mit ihm gemeinsam erarbeitet und eingespielt. Dabei sucht Maierhof in seinen Kompositionen nicht den reinen, klaren Flötenklang. Vielmehr  wird der Ton des Instruments durch verschiedene Anblastechniken, bauliche Erweiterungen oder elektronische Zuspielungen erweitert und aufgespalten. So verzerrt ein mitschwingendes System in Form eines trichterförmigen Luftsammlers und der darin verbauten, geräuscherzeugenden Kugeln in splitting 29.1 den Flötenklang fast in den Bereich der elektronischen Musik. Der dadurch gespaltene Luftstrom wird verstärkt und kann über Anblasdruck oder wechselnde Abstände zwischen schwingender Kugelkonstruktion und Flöte variiert werden. Detaillierte Beschreibungen und Anweisungen der Partitur geben über die erweiterten Spieltechniken Auskunft. In splitting 39 wird die Glissando-Flöte durch ein Flötenmundstück, das über einen Spiralschlauch in einem Resonanzraum endet, sowie elektronisches Zuspiel erweitert. Musikalische Aufwärtsbewegungen bestimmen diese Komposition. Ein einziges Mal erklingt ein abwärts geführter Klang, je einmal durch die Flöte, einmal im Zuspiel. Differenzielle Obertöne realisieren sich variierend in den vielfach wiederholten Motiven. Die „Noise-Flöte“ (mikrophoniertes Flötenmundstück mit Schlaucherweiterung) ergänzt die weichen Glissandi mit purer, körniger, gehauchter Geräuschhaftigkeit. Splitting 17 verbindet drei unterschiedliche, sich gleichsam der Flöte zuordnende Klänge. Kurze Staccato-Töne der von Erik Drescher gespielten Flöte werden ergänzt durch eine gepresst-angeblasene Spieltechnik und verbinden sich  mit digitalen Midi-Klängen. Die aus dieser Kombination resultierenden „Differenztöne“ erzeugen ein sehr direktes, unmittelbares Klangerlebnis. 

Noch „ohrmittelbarer“ wird es in splitting 51.1, in welchem der beim Flötenspiel erzeugte Luftdruck und Luftzug hörbar wird. Dies geschieht, indem ein dazu geeignetes Mikrophon direkt in das offene Ende des Flötenmundstücks geführt wird, bis es dieses komplett abschließt. Das um wenige 16tel exakt verschobene, identische Zuspiel ergänzt die luftige Klangwelt. Durch die beigestellten, zwischengeschobenen Videocollagen werden die in den vier Kompositionen angelegten Spaltprozesse auch visuell erfahrbar. Darüber hinaus ergänzen sie die erzeugten Klänge um eine narrative Komponente, bleiben aber im Ablauf separiert. Die hier betriebene Erforschung von (Klang-)Spaltungen gibt der Werkreihe ihren Namen. 


Michael Maierhof  Komponist und Improvisator aus Hamburg. Beschäftigt sich mit Instrumenten, Objekten, Präparationen, schwingenden Systemen und Motoren. Studierte Musik und Mathematik in Kassel sowie Philosophie und Kunstgeschichte in Hamburg. 1989 erste Kompositionen. Seit 1990 liegt sein  Schwerpunkt bei raumbezogener Musik für Ensembles unterschiedlicher Besetzungen, der Entwicklung einer Präparations- und Untertontechnik für Streichinstrumente sowie Forschungen über das Kreisen auf Untergründen. Arbeitet an einer nicht über Tonhöhen organisierten Musik. Seit 2004 Cellist des Impro-Trios NORDZUCKER und des Stark Bewölkt Quartetts. Mitbegründer des Künstlernetzwerkes „stock11.de“ und des Verbandes für aktuelle Musik Hamburg (www.vamh.de). 

 Erik Drescher, freischaffender Flötist, lebt in Berlin. Schwerpunkt zeitgenössische Musik. Neben ausgeprägter solistischer Tätigkeit gastierte er in vielen renommierten Ensembles für Neue Musik. Mitglied im Trio Nexus bis 2014. Arbeiten, darunter zum Teil mehrfach Anregungen zu neuen Werken und Uraufführungen unterschiedlicher Komponisten und Musiker. Ein Schwerpunkt ist die neuartige Glissandoflöte, für die  zahlreiche Komponisten neue Werke schreiben. Herausgegeben in „Glissando Flute Collection Erik Drescher“ beim Verlag Neue Musik Berlin. Konzerttätigkeit weltweit. CD und Schallplattenproduktionen bei Wergo, Mode Records, Edition Wandelweiser Records, World Edition, Stradivarius, GOD Records. Musikkurator im Acker Stadt Palast Berlin 2012-2015. www.erikdrescher.de